Über das Ensemblehaus und die Ensemble-Akademie Freiburg

In Freiburg im Breisgau sind zwei der spannendsten Ensembles aus der internationalen Musikszene zuhause, die jedoch beide in ihrer mittlerweile zwanzigjährigen Erfolgsgeschichte nie über ein festes Probendomizil verfügen konnten: Das Freiburger Barockorchester hat sich mit der historischen Aufführungspraxis von Werken aus Barock und Klassik weltweit profiliert, das ensemble recherche widmet sich mit international großem Erfolg der Aufführung zeitgenössischer Musik.

Gemeinsam veranstalten beide Klangkörper die seit 2004 jährlich stattfindende Ensemble-Akademie Freiburg mit Meisterkursen im Ensemblespiel von Alter und Neuer Musik für professionelle Musiker und Musikstudenten aus aller Welt. Jährlich nehmen über 100 Teilnehmer aus 20 verschiedenen Ländern an den Kursen und Workshops der Ensemble-Akademie teil. Weit mehr als um ein Nebeneinander zweier Musikrichtungen geht es in der Akademie um ein gegenseitiges Durchdringen von Alt und Neu, um die wechselseitige künstlerische Inspiration unterschiedlicher Aufführungspraktiken – bis hin zur Uraufführung von Werken für barockes und modernes Instrumentarium: So ist es für die Ensemble-Akademie 2011 geplant, der bereits ein Kompositionswettbewerb vorausging. Die Werke der drei Gewinner werden dann von Mitgliedern des FBO und des ensemble recherche im September 2011 als Bestandteil der Ensemble-Akademie uraufgeführt. Inzwischen ist diese ungewöhnliche Ensemble-Akademie mit ihrer anregenden Koexistenz von Tradition und Moderne sogar zu einem begehrten Exportartikel geworden. Im Herbst 2007 wanderte sie nach Südamerika und begeisterte dort zahlreiche mexikanische Studenten, im Frühjahr 2011 wird sie wieder auf Reisen gehen und erstmalig in Österreich (St. Pölten) stattfinden.

Aus dieser in der internationalen Musikszene einzigartigen Zusammenarbeit zweier völlig unterschiedlich orientierter Ensembles ist nun eine enge inhaltliche Verbundenheit geworden, auf der die Idee eines gemeinsamen Ensemblehauses in Freiburg fußt. Zentrales Ziel dieses Ensemblehauses ist es natürlich, endlich einen festen Probenraum für beide Klangkörper zu schaffen – aber nicht nur das: Auch die Ensemble-Akademie soll damit ein eigenes Standbein erhalten. Nachdem sich ein erster Plan, die 2006 profanierte St. Elisabethkirche in Freiburg zum Ensemblehaus umzubauen, zerschlagen hat, haben sich nun die Musiker beider Ensembles für einen Neubau entschieden. In direkter Nachbarschaft zu Musikhochschule und Universitätsbibliothek wurde unter tatkräftiger Mithilfe der Stadt Freiburg (die auch inzwischen die Baugenehmigung erteilt hat) ein Grundstück für das neue Ensemblehaus gefunden. Der offizielle Spatenstich mit Oberbürgermeister Dr. Salomon am 6. Oktober markiert den Beginn einer ungefähr einjährigen Bauzeit – und zugleich das Ende einer über zwanzigjährigen Suche nach einem festen Probendomizil beider Ensembles. Mit diesem Neubau eines eigenen Ensemblehauses beweisen sich die Freiburger Musiker abermals als Pioniere, die weder vor musikalischem noch organisatorischem Neuland zurückschrecken: als Initiatoren eines gemeinsamen Probendomizils (inklusive der Orchesterbüros), das von der gemeinnützigen Stiftung Baden-Württembergische Ensemble-Akademie Freiburg gebaut, unterhalten und an die beiden Ensembles vermietet wird. Die Mieteinnahmen der Stiftung fließen wiederum direkt in die von Freiburger Barockorchester und ensemble recherche veranstaltete Ensemble-Akademie – die perfekte Umsetzung einer musikalischen Vision.

Das Land Baden-Württemberg, die Stadt Freiburg und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sind von diesem Konzept restlos überzeugt und unterstützen das Ensemblehaus Freiburg mit insgesamt 1,4 Millionen Euro. Neben diesen öffentlichen Mitteln erfährt das Projekt mit weiteren 1,2 Millionen Euro auch von privater Seite eine nahezu beispiellose Unterstützung: durch Spenden von Stiftungen, Privatpersonen und Unternehmen der regionalen Wirtschaft. Außerdem verzichtet die Stadt Freiburg in den ersten 10 Jahren auf die Erhebung einer Erbpacht für das Grundstück, auf dem das Ensemblehaus stehen wird.