Geschichte

Freiburg hat eine lebendige Musikszene, und in Freiburg hat beides wie in kaum einer anderen deutschen Stadt eine jahrzehntelange Tradition: Alte und Neue Musik. Vielleicht ist es deshalb auch kein Zufall, dass seit der Mitte der achtziger Jahre hier zwei der spannendsten Ensembles der internationalen Musikszene entstanden sind. Auf eigenen Wegen und viele Jahre ohne große Unterstützung haben sie sich an die Spitze gearbeitet. Heute sind sie auf den bekanntesten Festivals und in den besten Sälen der Welt regelmäßig zu Gast. Renommierte Komponisten, Dirigenten und Solisten schätzen das Freiburger Barockorchester und das ensemble recherche für ihre begeisterte und begeisternde Art, jede Musik in lebendige Klänge zu verwandeln. Kaum zu glauben, dass beide Ensembles während der ersten 25 Jahre ihrer Erfolgsgeschichte nie über ein angemessenes Probendomizil verfügen konnten: Da lag es nahe, dass man sich im Wunsch zusammenfand, diesen Missstand aufzuheben. Die Idee eines gemeinsamen Ensemblehauses in Freiburg war geboren. Zunächst begann die Suche nach einem geeigneten Standort im Stadtgebiet; erste Objekte wurden inspiziert und auf ihre Tauglichkeit im Hinblick auf eine musikalische Nutzung geprüft: Eine von den Franzosen hinterlassene Vaubankaserne, die historische Turnhalle im Innenhof des Lycee Turenne, der Saal des Friedrichsbaus, der Zollhof auf dem Güterbahnhofsgelände, ein Bankgebäude in der Eisenbahnstraße – kaum ein Gebäude, groß genug für einen Probensaal, das von Hans-Georg Kaiser und Tanja Ratzke nicht ins Visier genommen wurde. Aber immer gab es gute Gründe, warum sich ein Objekt nicht für ein Ensemblehaus eignete. Abriss, schulische Nutzung, disparate Mietersituation, keine kulturelle Nutzung, zu teuer – das waren die Antworten, die die Verantwortlichen der Ensembles in den ersten Jahren häufig zu hören bekamen. Da war klar, dass es ohne Unterstützung nicht gehen würde. Paul Ege, der Freiburger Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen, gleichermaßen begeistert von den Leistungen der beiden Ensembles, gab den Anstoß zu einem “Initiativkreis Ensemblehaus”, in dem sich ab 2004 unter dem Vorsitz von Dr. Karl Valentin Ullrich bekannte Freiburger Persönlichkeiten regelmäßig zusammenfanden, um die immer noch vage Idee eines Ensemblehauses endlich in die Tat umzusetzen. 2004 war auch das Jahr der Gründung der gemeinsam von FBO und ensemble recherche veranstalteten Ensemble-Akademie Freiburg. Von Anfang an war es das Ziel der Freiburger Musiker, dass das gemeinsame Wirken unter einem künftigen Ensemblehausdach auch anderen Musikern – möglichst auch jüngeren – zugute kommen sollte. Inzwischen hat sich die Ensemble-Akademie Freiburg etabliert und ist für ihre Fortbildungskurse zur Aufführungspraxis Alter und Neuer Musik international anerkannt. Etwa einhundert fortgeschrittene Studenten und professionelle Musiker besuchen sie jährlich für Einzel- und Kammermusikunterricht sowie Orchesterkurse. Richtig konkret wurde die Idee des Ensemblehauses ab dem Jahr 2005, als öffentlich wurde, dass die katholische St. Elisabethkirche in Freiburg aufgegeben werden sollte. Hier war der große Bau gefunden, der die verschiedenen Probenräume des Ensemblehauses aufnehmen konnte. Böwer Eith Murken Architekten, die die Idee des Ensemblehauses von Anfang an begleiteten, entwarfen ein Haus-im-Haus-Konzept, und eine ganze Reihe von Untersuchungen des baulichen Bestandes wurden angestellt. In diese Phase fällt 2006 die Gründung des gemeinnützigen ‚Freunde der Banden-Württembergischen Ensemble-Akademie Freiburg e.V.‘, dessen Mitglieder sich den Umbau der Elisabethkirche zum Ensemblehaus zum Ziel gesetzt hatten. Die Vereinsgründung war Voraussetzung für eine breit angelegte ‘Spendenaktion Ensemblehaus Freiburg’, deren von Beginn an erfolgreicher Verlauf die Realisierung in greifbare Nähe rückte. Dass die Elisabethkirche als ‘erste Betonkirche der 60iger Jahre’ unter Denkmalschutz gestellt wurde, erwies sich für das Projekt letztlich als unüberwindbares Hindernis. Die Beteiligten mussten sich fragen, ob man eine Kirche renoviere oder ein Ensemblehaus errichte. Diese Erkenntnis und die Aussicht auf nicht abschätzbare Kosten führten schließlich im Juni 2009 – durchaus schweren Herzens – zum Abschied von St. Elisabeth. Was tun? Sich wieder auf die Suche nach einem bestehenden Objekt machen? Mehr und mehr erschien ein gut zu kalkulierender Neubau als die bessere Lösung. Aber auf welchem Grundstück? Der damalige amtierende Stadtplaner Prof. Wulf Daseking schlug einen Parkplatz auf der Südseite der Alten Stadthalle vor, der durch eine Änderung im Bebauungsplan als idealer Standort infrage kommen könnte. Dank der Unterstützung durch Oberbürgermeister Dr. Salomon und die zuständigen Ämter lag im März 2010 ein entsprechender Antrag vor, dem der Gemeinderat mit überwältigender Mehrheit zustimmte. Der Weg für das Ensemblehaus in direkter Nachbarschaft zur Musikhochschule war frei! Bereits am 6. Oktober 2010 fiel der Startschuss mit dem offiziellen Spatenstich und viel Prominenz aus Stadt und Land.

Am 4. Mai 2012 wurde das Ensemblehaus feierlich eingeweiht. Entstanden ist ein einzigartiges, hochmodernes Haus, das die drei Institutionen Freiburger Barockorchester, ensemble recherche und die gemeinsam getragene Ensemble-Akademie Freiburg beherbergt. Darüber hinaus ist es ein Ort der Vermittlung, der Begegnung und des Austausches mit professionellen Künstlern, Laien, Kindern und allen Interessierten.
Mit dem Einzug in den Neubau ist die Erfolgeschichte des Ensemblehauses aber keineswegs zu Ende erzählt: Wie für jeden Häuslebauer begann 2012 die Rückzahlung des Baukredites an die Bank, und dank der großartigen Unterstützung weiterer Spender ist die Tilgung der Baufinanzierung seit März 2016 abgeschlossen.
An dieser Stelle sei allen, die sich am Ensemblehaus finanziell beteiligt haben, sehr herzlich gedankt! Mit ihrer Hilfe, ist in Freiburg binnen weniger Jahre ein Kulturprojekt entstanden, das es in Europa kein zweitesmal gibt.
Mehr Informationen zur Trägerin des Ensemblehauses, der ‘Stiftung Baden-Württembergische Ensemble-Akademie Freiburg’, finden Sie hier.